Autoren und Archive

Cäsar Flaischlen

Ein früher »Bestseller-Autor«: Wenn man heute junge Germanisten nach Cäsar Otto Hugo Flaischlen fragt, könnte man fast denken, sein Leben ist "spurlos über die Heide verweht". Kaum einer kennt noch seinen Namen. Hilft man etwas mit den ersten Zeilen von "Hab Sonne im Herzen ..." auf die Sprünge, gibt es dann doch noch einige, die sich an die Einträge im Poesiealbum ihrer Mütter erinnern:

Cäsar Flaischlen, Vetter meiner Großmutter Anna Abt-FlaischlenHab Sonne im Herzen

Hab Sonne im Herzen,
ob's stürmt oder schneit,
ob der Himmel voll Wolken,
die Erde voll Streit!
Hab Sonne im Herzen,
dann komme, was mag!
das leuchtet voll Licht dir
den dunkelsten Tag!

Hab ein Lied auf den Lippen,
mit fröhlichem Klang
und macht auch des Alltags
Gedränge dich bang!
Hab ein Lied auf den Lippen,
dann komme, was mag!
das hilft dir verwinden
den einsamsten Tag!

Hab ein Wort auch für andre
in Sorg und in Pein
und sag, was dich selber
so frohgemut läßt sein:
Hab ein Lied auf den Lippen,
verlier nie den Mut,
hab Sonne im Herzen,
und alles wird gut!
                       (Übersetzungen finden Sie hier)

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Familie Flaischlen"Und wenn auch nur ein Samenkorn aufgeht, so habe ich nicht umsonst gelebt" sagte der Dichter über sein Wirken. Sein ganzes Leben war ein Suchen nach einer Welt, wo er in Schönheit - in Harmonie leben könne. Es war kein Utopia, keine märchenhafte Insel der Seligen, mit wunschlos reinen Seelen, er wünschte nichts anderes, als diese ganz irdische, wirkliche Welt etwas weniger kleinlich, weniger neidvoll, weniger freudlos zu schaffen.
Der am 12. Mai 1864 in Stuttgart geborene Otto Hugo Cäsar Flaischlen ist der Sohn eines Offiziers. Von Stuttgart zieht Flaischlen mit Bruder und Schwester nach Ellwangen und besucht dort das Gymnasium. Nach seiner Schulzeit absolviert er eine Buchhändlerlehre bei der Stuttgarter Metzlerschen Buchhandlung. Dort widmet sich Flaischlen zwischen den vielen anderen Büchern nach Feierabend seinen ersten eigenen Gedichten. 1884 kommt sein erstes Werk "Nachtschatten" unter dem Pseudonym C. F. Stuart heraus. In Bern entscheidet sich Flaischlen für eine akademische Ausbildung. Es folgen die Studienjahre, er ist in Universitäten von Bern über Stuttgart nach Leipzig (hier unter dem bekannten Professor Zarncke) unterwegs. In Heidelberg sowie auch in Berlin beginnen die Burschenschaften mit ihren Studentenliedern auf den Literaten zu wirken. Im Dezember 1889 promoviert er in Zürich im Fach Germanistik über "0tto Heinrich von Gemmingen, dem deutschen Hausvater und dem bürgerlichen Schauspielwesen" mit der Auszeichnung "summa cum laude".
Johanna, Hugo und Cäsar FlaischlenKurz nach der Dissertation zieht es ihn nach Berlin. Flaischlen findet Einlaß in die Salons um den Friedrichshagener Dichterkreis. Hier lernt er Bölsche, Wille, Hart, die bedeutendste Köpfe dieses Kreises, kennen. Die Genossenschaft und Kunstzeitschrift PAN bittet ihn 1896, die Stelle als Leitender Redakteur anzunehmen. Mit der Zeitschrift PAN machen fast alle Künstler und Schriftstellern der Zeit Bekanntschaft. Große Name wie Max Klinger, Edward Munch, Max Liebermann, Theodor Fontane, Heinrich Mann u.v.a. finden sich im Inhaltsverzeichnis des PAN. Sütterlin schreibt in dieser Zeit über Flaischlen: "Durch seine Manuskripte für die Kunstzeitschrift "Pan", die stets zugleich Satzvorbilder waren, hat er an der künstlerischen Hebung neuzeitlicher Buchdruckkunst hervorragenden Anteil."
1897 entsteht in den Ferien auf der Insel Rügen der Gedichtband "Von Alltag und Sonne", der in späteren Jahren einen absoluten Boom in den Verkaufszahlen erlebt. 1899 muss die PAN-Genossenschaft wegen finanziellen und internen Schwierigkeiten das Erscheinen der Zeitschrift einstellen. Noch heute gilt die PAN als Meilenstein der Buch- und Kulturgeschichte.
Nach der Auflösung der Zeitschrift arbeitet Cäsar Flaischlen als freier Dozent und hält Lesungen aus seinen bis dahin veröffentlichten Werken. Sein Prosaroman "Jost Seyfried" (1905) sieht er dabei als Hauptwerk seines Schaffens. Die darauffolgenden Jahre verbringt Flaischlen mit einem neuen Projekt: einem Buch über deutschlandweit wirkende Schriftsteller. Es soll, so das ehrgeizige Projekt, wie die Bibel in jedem Haushalt stehen. Das Werk erscheint, ursprünglich 4bändig geplant, jedoch in nur zwei Bänden erst nach seinem Tode unter dem Titel "Das Buch unserer deutschen Dichtung".
Edith und Cäsar FlaischlenIm Jahre 1910 heirat Cäsar Flaischlen seine Frau Edith und zieht mit ihr in eine geräumigeren Wohnung im gleichen Haus (Kurfürstenstrasse 51, Berlin) um. Es ist 1914, der Krieg beginnt; auch sein Bruder Major Hugo Flaischlen muss an die Front. Als viele seiner Freunde an der Front sterben, zerbricht für ihn seine kleine heile Welt. Aber, abgesehen von den schmerzvollen Verlusten und Bangnissen, die Cäsar mit fast allen Deutschen in diesen Jahren teilen muss, ändert sich seine äußere Lage ganz außerordentlich zum Guten. Er beginnt zu ernten, was er in Jugendtagen gesät ... seine Bücher werden sehr populär und gesucht ... die Auflagen überstürzen sich: von "Alltag und Sonne" erscheint bald die hundertste, wenige Monate darauf die hundertundfünfzigste Auflage, und ebenso wachsen die anderen Bücher ... es geht fast ins Unglaubliche - man muss annehmen, dass durchschnittlich jeder dritte Soldat irgendein Flaischlenbuch im Tornister mit sich trägt.

Grabstätte Cäsar Flaischlen, Stuttgarter PragfriedhofZwei Jahre nach Kriegsende, im Sommer, ist er als Vortragsreisender unterwegs, das ganze Jahr über ist er aber von Krankheiten gepeinigt. Im September stellen sich starke Kopf- und Magenschmerzen ein. Er muss mit dem Automobil in das Sanatorium Schloss Hornegg gebracht werden. Doch es ist zu spät, der Eingriff im Brustraum bringt keine Heilung mehr. Am Morgen des 16. Oktober 1920 schläft der Dichter Cäsar Flaischlen für immer ein. Er wird auf dem Stuttgarter Pragfriedhof beerdigt.

Wer mehr über Cäsar Flaischlen erfahren möchte, sollte die Seite www.flaischlen.de besuchen oder sich in Antiquariaten und auf Flohmärkten umsehen, wo noch der eine oder andere Band zu finden ist.

 

Das Autoren-Archiv Dillenburger

Autorinnen in Stadt und Kreis Ludwigsburg vom 18. - 20. Jahrhundert, Herausgegeben vom Literarischen Gesprächskreis Ludwigsburg e.V., Redaktion: Inge DillenburgerDas Autoren-Archiv Dillenburger hat es sich zur Aufgabe gemacht, speziell Literatur von Autorinnen und Autoren aus Stadt und Kreis Ludwigsburg zu sammeln. Es will die Erinnerung an ehemalige Literaten der Region lebendig halten und zeitgenössischen Schriftstellern ein Forum bieten. Dadurch eröffnet sich die Möglichkeit, eine kulturell interessante Region von verschiedenen Zeiten aus und durch die Werke der in dieser Gegend beheimateten Menschen zu betrachten. So wird Veränderungen nachgespürt und dadurch der Blick auf das Ganze gelenkt.
Das Archiv umfasst derzeit vierhundert handsignierte Bücher von 300 Autorinnen und Autoren sowie Fotos, Lebensläufe, Manuskripte und Skulpturen einzelner LiteratInnen. Es befindet sich im Privathaus von Inge Dillenburger (E-Mail: id-literatur@web.de), die die Sammlung seit 1963 kontinuierlich aufgebaut hat.
Das Archiv soll eine Begegnungsstätte für LiteraturfreundInnen sein. Deshalb gibt es regelmäßig, jeden vierten Samstagnachmittag im Monat (außer Juli, August und Dezember), einen Jour fixe litéraire zwischen 15.00 und 17.00 Uhr mit Gesprächen über Literatur.
Außerdem steht das Archiv StudentInnen und DoktorandInnen für wissenschaftliche Arbeiten zur Verfügung. Termine können mit Frau Dillenburger vereinbart werden (Telefon 07141 55888).

Im Archiv Dillenburger: Renate KöstlinIm Archiv Dillenburger: Anna BechlerIm Archiv Dillenburger: Auguste SupperIm Archiv Dillenburger: Tony SchuhmacherIm Archiv Dillenburger: Ottilie WildermuthIm Archiv Dillenburger: Sophie La RocheIm Archiv Dillenburger: Claire BeyerIm Archiv Dillenburger: Irene FerchlIm Archiv Dillenburger: Sibylle KnaussIm Archiv Dillenburger: Helga Kullak-BrückbauerIm Archiv Dillenburger: Ursula JetterIm Archiv Dillenburger: Inge Dillenburger

Die Publikation des Archivs »Autorinnen in Stadt und Kreis Ludwigsburg vom 18. - 20. Jahrhundert« ist eine Sammlung biographischer Essays über sieben verstorbene und fünf in der Stadt und im Kreis Ludwigsburg lebende Autorinnen. Bis heute feiert Ludwigsburg seine vier großen Söhne Kerner, Mörike, Vischer und Strauß; das im Hirzel-Verlag in Redaktion Inge Dillenburgers erschienene Buch füllt die Lücke in der männlich dominierten Geschichte der Literatur im schwäbischen Raum. Dreizehn Germanisten und Historiker tragen hier Wissenswertes über Leben, Werk und Wirken zusammen zu Sophie la Roche, der ersten Romanautorin deutscher Sprache, Ottilie Wildermuth, Tony Schumacher, Auguste Supper, Anna Bechler, Renate Köstlin und Helga Kullak-Brückbauer. Zu den besprochenen zeitgenössischen Autorinnen gehören Inge Dillenburger, Ursula Jetter, Sibylle Knauss, Claire Beyer und Irene Ferchl.

Inge Dillenburger Freifrau von Groll, Trägerin des Bundesverdienstkreuzes.

Im Autoren-Archiv Dillenburger befindet sich auch die Geschäftsstelle des Literarischen Gesprächskreises Ludwigsburg e.V.

 

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