Mit einem »frommen« Namen geht unser Dorf durch die Jahrhunderte. »Zu Nutz und Frommen« sagt man heute gelegentlich noch, oder »Es frommt«.
Vielleicht ist das die schöne Bedeutung, die unserem Ortsnamen zugrunde liegt.
Auch ein alter Personenname Fruoman wird zur Erklärung ausgegeben.
Über die Anfänge weiß man nichts. Die Kreisbeschreibung nennt das 7. Jahrhundert. Eine Urkunde des Grafen Rudolph von Hohenberg von 1399 spricht von einer »Capell zu Frumenhusen, die gewiht ist worden in der Ere unser Frowen und ander Heiligen«.
Im Jahr 1428 erhält die Kapelle einen Kaplan, wohl in der Person des in der Urkunde mitgenannten Jodok Stölzle aus Hirrlingen. Die Urkunde nennt den Schultheißen Johannes Wend, den Konvent des Klosters Witticheen und den Pfarrer Konrad Hagen aus Hirrlingen. Die Einkünfte der Kaplaneigüter betragen 37 Pfund und 10 Heller.
Wöchentlich werden drei Messen gelesen, an Feiertagen muß man nach Hirrlingen zur Kirche. Ein Grabstein vom Hirrlinger Friedhof, seit 1982 an der Außenfront der Hirrlinger Kirche, nennt einen Jacob Beyter von Frumenhus, der »1510 zu S Jacob gezogen«. Gemeint ist Santiago di Compostela in Spanien.
Weihbischof Baltassar von Konstanz weiht laut einem Eintrag in den Hirrlinger Kirchenbüchern 1596 Kapelle und Altar zu Ehren der Allerseligsten Jungfrau Maria, des hl. Nikolaus und der hl. Barbara.
Anno 1596 zu Frommenhausen
Aus dem Hirrlinger Pfarrarchiv
Rottenburger Post, 14.8.1972
Im Dreißigjährigen Krieg ist am Fastnachtsmontag 1633 am Weg nach Hirrlingen eine Bluttat geschehen. Schwedische Reiter haben Hansjörg Beck und vielleicht auch seinen Vater erschlagen. Die Gedenktafel in der Kirche zeugt davon und zugleich von den 11 Gefallenen des Napoleonischen Feldzugs nach Rußland 1812.
Mit Kaplan Augustin Widmayer wurde 1716 die Kaplanei neu errichtet. Aber 1767 heißt es: »Das Kirchlein will einfallen«.
Das Jahr 1770 bringt eine neue Kirche mit Chor, zwei Joch und einem Dachreiter, erbaut von Christian Großbayer von Haigerloch, ausgemalt von Gabriel Ignaz Thum aus Bezau, geweiht am gleichen Tag wie die Hirrlinger Martinskirche am 9. August 1772 von Weihbischof Augustin von Hornstein aus Konstanz zu Ehren Unsrer Lieben Frau, des hl. Vitus, der hl. Katharina und des hl. Wendelin.
Die Deckengemälde zeigen diese Patrone.
Die Lokalkaplanei wird 1796 errichtet unter Kaplan Joseph Anton von Kreyseren aus Rottenburg. Auch ein eigener Gottesacker wird eröffnet, der 1875 und 1978 erweitert wird.
Zur Pfarrei wird Frommenhausen 1819 erhoben. Ein neues Schul- und Rathaus wird 1835 erbaut. Das alte Kaplanei- und Pfarrhaus gegenüber der Kirche wird durch einen Neubau über dem Ort ersetzt und 1868 bezogen. Auch für die Kirche sucht man einen besseren Platz. Doch bleibt man am ehrwürdigen Ort und erweitert 1933 die Kirche durch einen Anbau mit Glockenturm. Die heutige Sakristei ist um 1820 angebaut worden. Renoviert wurde die Kirche 1906, außen 1973 und 1987, innen 1959, 1968 und 1990.
Der 1. Weltkrieg forderte 13 Gefallene, im 2. Weltkrieg waren 19 Opfer zu beklagen.
Die Namen der Seelsorger sind:
1428 Kaplan Jodok Stölzle,
1716 Augustin Widmayer, Mehrle, Biesinger, Gerber, Bosch, Ulmer, Wollensack, Spreng, von Kreyseren, Foichtig,
1821 Pfarrer Bäuerlein, Hattler, Jehle, Holbein, Steinhauser, Wangenmüller, Kloos, Sommer, Mattes, Rösch, Edelmann, Stahl, Sailer.
Pfarrer Ernst Rauch (1887 - 1897) legte die Pfarrchronik an.
Ihm folgten Lobmiller, Schunter, Fischer, Landwehr.
Seit 1952 übte die Seelsorge aus Pfarrer Heilig von Schwalldorf,
Seit 1975 Pfarrer Sieß von Hirrlingen und Prälat Rößler von Rottenburg sowie seit Anfang der 90er Jahre Dr. Wolfgang Gramer (bis August 1999)
Frommenhausen, in den achtziger Jahren baulich um eine Etage höher gerückt, bleibe seinem Namen treu. Seine Kirche ist zuerst der göttlichen Dreifaltigkeit geweiht. Der Hochaltar zeigt das.
Das Erlösungsopfer Christi wird in jeder Messe auf dem Altar vergegenwärtigt. Seine Gegenwart im Sakrament erhebt unser Gebetshaus zum Hause Gottes. Von Anfang an ist Maria, die Mutter Jesu, als Patronin genannt. »Was Er euch sagt, das tuet«, sagt uns auch heute noch die Magd des Herrn.
Die zwölf Apostel grüßen von der Decke und rufen zum Glaubenszeugnis im Alltag.
Seit dem letzten Kirchenbau wird St. Vitus als Patron genannt. Dieser jugendliche Märtyrer verkörpere sich in den Heranwachsenden unserer Jahre.
Vitus - der Lebensstarke (Vital) - 15. Juni: Veit, der »Kind-Heilige«, zählt zu den volkstümlichsten Heiligen der katholischen Kirche. Im Mittelalter wurde er in den Kreis der 14 Nothelfer aufgenommen. Zahlreiche Kirchen tragen seinen Namen. Die berühmteste ist wohl der Veitsdom in Prag, wo Reliquien des Nothelfers aufbewahrt werden.
Vitus stammte nach der Legende aus reicher sizilianischer Familie. Der Vater wollte den Siebenjährigen mit staatlicher Gewalt zum Abfall vom christlichen Glauben zwingen, weshalb dieser floh. In Rom heilte er den Sohn Kaiser Diokletians, wurde aber trotzdem durch mannigfaltige Qualen gemartert.
Die hl. Katharina von Alecandrien ist in den Deckengemälden besonders hervorgehoben durch ihre Abwehr des Götzendienstes und ihr Bekenntnis zu Christus, der ihr zur Märtyrerkrone die Krone des ewigen Lebens gewährt.
Der hl. Wendelin wurde als Beschützer für Stall und Vieh gewählt. Er beschütze auch heute Haus und Bett und Flur!
Frommenhausen ist seinen Bewohnern Heimat für ein paar Jahre oder Jahrzehnte. Die wahre Heimat des Menschen ist beim Dreieinigen Gott, dem Herrn des Himmels und der Erde. Unsere Pfarrkirche ist beste Führerin dahin als »Haus Gottes und Pforte des Himmels«.
Dieser Text wurde Pfingsten 1990 verfaßt von:
Pfarrer Wendelin Sieß und Kirchengemeinderatbr />
Erich Zug, Ortsvorsteher
Adolf Saile, 2. Vorsitzender
Oskar Beck, Franz Hagen, Gerhard Johner, Wilma Riegger, Karl Wütz, Siegbert Wütz,
Josef Wütz, Kirchenpfleger,
Barbara Zug, Mesnerin.
Das Vituslied
Text: Pfr. Anton Fischer, Frommenhausen
Melodie: Dompfr. Josef Ottenwälder
Heiliger Vitus, Gottesknecht,
lehr uns leben fromm und recht!
Bitt für uns, dass Gottes Gnade,
lenke unsre Lebenspfade
von der Wiege bis zum Grab!
Von der Wiege bis zum Grab!
Heiliger Vitus, Gottesheld!
Über Teufel, Fleisch und Welt
hilf auch uns den Sieg erlangen,
dass des Kreuzes Zeichen prangen
auf der unentweihten Stirn!
Auf der unentweihten Stirn!
Heiliger Vitus, Gotteskind,
dessen Lohn die Himmel sind,
in den Himmels Herrlichkeiten
hilf auch uns ein Heim bereiten,
eine selge Ewigkeit!
Eine selge Ewigkeit!
Soli Deo Gloria, Orgelweihe am Sonntag, 2. November 1997
Ansprache von Hans Stehle, Orgelbaumeister
Stehle-Orgelbau GmbH, Haigerloch-Bittelbronn:
»Das II. Vatikanische Konzil hat den Gottesdienst unserer Kirche erneuert. Über die Orgel lesen wir in der Konstitution über die Heilige Liturgie: »Die Pfeifenorgel soll in der lateinischen Kirche als traditionelles Musikinstrument in hohen Ehren gehalten werden, denn ihr Klang vermag den Glanz der kirchlichen Zeremonien wunderbar zu steigern und die Herzen mächtig zu Gott und zum Himmel emporzuheben«.
Dies soll auch für Ihre neue Orgel gelten und darum haben Sie sich entschlossen, eine neue Orgel anzuschaffen.
Ihre Orgel gliedert sich in drei Werke: Hauptwerk, Schwellwerk und Pedalwerk. Alle drei Werke sind im Gehäuse untergebracht, das nicht nur schützende Funktion hat, sondern auch zur Verschmelzung des Klanges dient.
Die fachlichen Grundsätze des Orgelbaus, wie klarer Werkaufbau, sinnvolle Verteilung der Pfeifen und der mechanischen Trakturen sowie gute Zugänglichkeit für alle Teile bei Stimmungen und Pflegearbeiten wurden berücksichtigt.
Auf Materialauswahl und auf Konstruktion aller Einzelteile wurde ganz besondere Sorgfalt verwendet, damit die neue Orgel ein Höchstmaß an Spiel- und Klangqualität bietet.
Das in massiver Bauweise gefertigte Gehäuse, das eine Breite und Tiefe von 2,81 m x 2,54 m = 7,14 qm und mit seiner Höhe von 3 m ein Raumvolumen von ca. 22 Kubikmeter hat, nimmt die gesamte Technik auf. Das sind das Gebläse und die Bälge mit ihren Windkanälen, die mechanischen Spieltrakturen, die elektrische Registertraktur mit den Zugmagneten an den Windladen und die Windladen selbst mit ihren 986 Pfeifen. Das II. Manual steht außerdem noch in einem Schwellkasten, dessen bewegliche Jalousien eine stufenlose Schattierung des Klanges ermöglichen. Der Prospekt wird von dem Register »Prinzipal 8'« aus dem Hauptwerk gebildet. Der Spieltisch ist mit einem Abstand von ca. 1 m vom Orgelgehäuse frei aufgestellt.
Der Spieltisch ist über die mechanische Spieltraktur (Vebindung der Tasten mit den Tonventilen), die mit Holzabstrakten bis zu 5 m Länge pro Ton ausgerichtet ist, mit der Orgel verbunden. Trotz dieser langen Trakturwege ist ein präzises, leichtgängiges und gleichmäßiges Orgelspiel gewährleistet. Die Einschaltung der Register (selbstständige Pfeifenreihen gleicher Bauart, Mensur und Klangfarbe) ist elektrisch gesteuert. Dies ermöglichst die Anwendung von Spielhilfen für den raschen und oft notwendigen Wechsel verschiedenster Klangfarben und Lautstärken. Der Organist kann vor dem Spiel drei verschiedene Registermischungen einprogrammieren und während des Spiels nach Bedarf abrufen. Eine weitere Spielhilfe ist das »Tutti«, womit alle wichtigen Register gleichzeitig eingeschaltet werden.
Die neue Orgel besitzt mechanische Schleifwindladen mit insgesamt 16 klingenden Registern. Von den insgesamt 986 Pfeifen sind 870 Labialpfeifen aus einer Zinn-Bleilegierung von 20% bis 75% Zinn, 60 Holzpfeifen und 56 Zungenpfeifen. Die größte Pfeife mißt ca. 2,60 m und die kleinste ca. 1 cm (ohne Fuß).
Die unterschiedlichen Bauformen der Pfeifen, wie zylindrisch, konisch, teilgedeckt, gedeckt, rechteckig sowie die Anwendung verschiedenster Materialien, wie Zinn in Legierungen von 20% bis 75%, und Hölzer, wie Fichte und Ahorn, sind die Grundlage für die Vielfalt der Klangcharaktere in den Registerfamilien der Prinzipale, Flöten, Streicher und Zungen. Es ist die Kunst des Intonateurs jeder einzelnen Pfeife ihren spezifischen Klangcharakter zu geben und das Instrument einheitlich und geschlossen erklingen zu lassen.
Ihre Orgel ist kein Fließbandprodukt, sonder ein eigens für Ihre Kirche konzipiertes Instrument, welches handwerklich von erfahrenen Orgelbauern erarbeitet wurde. Es wurden ca. 40 Konstruktionspläne angefertigt. Nach diesen Plänen wurden dann alle Einzelteile, wie Holz- und Metallpfeifen, Windladen, Wellenbretter, Mechanikteile, Kanäle und Bälge für den wind, spieltisch, Schwellwerk usw. gabaut; ca. 4.000 (!) Arbeitsstunden waren dafür notwendig.
Alle Pfeifen wurden vorintoniert, da sie nach ihrer Produktion ja noch keinen Ton abgeben können. Nun begann in unserem Montageraum der Auf- und Einbau der Einzelteile, was wieder einige Wochen in Anspruch nahm. Dann wurde die Orgel wieder abgebaut und am 25. August 1997 war es endlich soweit, die neue Orgel konnte nach Frommenhausen ausgeliefert werden. Dort wurde siw von uns in etwa drei wochen aufgebaut und in weiteren zwei Wochen intoniert, d.h. sie erhielt ihren endgültigen, auf den Kirchenraum abgestimmten Klang.
Ich glaube sagen zu dürfen, daß es uns gelungen ist, alle Wünsche zu berücksichtigen, alle Probleme zu lösen und eine optimale Lösung zu finden. Sie besitzen nun eine Orgel, die in klanglicher Schönheit erstrahlt und sich sehr gut in den Kirchenraum einfügt.
Es war unser Wunsch, diese Orgel so zu gestalten, daß sie der hohen Würde des Gottesdienstes und der Kirchenmusik auf Generationen hinaus entsprechen kann und die Herzen der Menschen Gott näher bringt.
Für die gute Zusammenarbeit möchte ich mich bei allen Verantwortlichen recht herzlich bedanken.Nun hoffe und wünsche ich, daß Sie alle viel Freude an und mit Ihrer neuen Orgel haben und daß sie recht oft zu Ehren Gottes erklingen möge, denn ihm allein gebührt die Ehre.
Soli Deo Gloria.«