Naturschutzgebiet

Die Kapfhalde

Naturschutzgebiet, geschützt seit 1983, Naturraum Obere Gäue, Größe: 11,8 Hektar - Karte der LUBW Landschafts- und Naturschutzgebiet

Kapffelsen

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Abt-Harrer

Hier lesen Sie Auszüge aus den Texten des Schutzgebietverzeichnisses der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz. Die ausführlichen Beschreibungen finden Sie hier.

Kapffelsen und Steinbruch Bietenhausen

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Abt-Harrer

»Dieses Schutzgebiet umfaßt einen ökologisch sehr wertvollen Bereich des bis zu 90 Meter steil ansteigenden Muschelkalkhangs rechts der Starzel bei Hirrlingen. Das dichte Beeinander sowohl extrem trockener und voll besonnter als auch nasser, schattiger und dunkler Standorte ist verantwortlich für den großen Artenreichtum, der dort registriert wurde. ...Mindestens 14 verschiedene Pflanzengesellschaften, die insgesamt etwa 350 Pflanzenarten beheimaten, konnten sich hier entwicklen. Die Kapfhalde beherbergt auch eine artenreiche Vogelwelt. ... Mäusebussard, Dohle, Turmfalke, Sing- und Misteldrossel, Ringel- und Hohltaube finden hier zum Teil noch ideale Nistmöglichkeiten. Kein Wunder also, daß in der Kapfhalde bereits 68 Brutvogelarten und 44 Durchzügler erfaßt wurden. Auch die Gruppe der Großschmetterlinge ist in dem Schutzgebiet mit rund 500 Arten außerordentlich reich vertreten. ...«

Naturschutzgebiet Kapfhalde

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Abt-Harrer

»Als Ergebnis der Biotopkartierung hat sich gezeigt und wiederum bestätigt, daß der rechte Steilhang des Starzeltals zwischen Bietenhausen und Frommenhausen als hervorragendes Gebiet der Wertklasse A zu bezeichnen ist und sich somit besonders schutzwürdig erweist.
Der etwa 80 m hohe Prallhang des oberen Muschelkalkes ist teils mit Trockengebüsch oder Trockenhangwald, teils mit Wacholderheide oder steppenheideähnlichen Volltrockerasen auf flachgründigen und kalkhaltigen Böden bewachsen. ...

Ökologisch am wertvollsten ist der mittlere Abschnitt der abgegrenzten Fläche. Er zeichnet sich durch eine starke morphologische Gliederung aus, welche einen großen Nischenreichtum auf relativ kleinem Raum mit einem beachtlich hohen Artenreichtum von Flora und Fauna bedingt.

Im etwa 12 Hektar großen Gebiet wurden 11 geschützte Pflanzenarten festgestellt, darunter 6 Orchideen und der Türkenbund (Lilium martagon).

Türkenbund, (Lilium martagon) - Foto Wikimedia

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Von ganz besonderer Bedeutung sind die zahlreichen Schmetterlingsarten.
Während einer 4jährigen Beobachtungszeit durch das Institut für Biologie III der Universität Tübingen konnten von etwa 400 Schmetterlingsarten rund 30 in der "Roten Liste" geführte Arten identifiziert werden, darunter zahlreiche wärmeliebende Arten.
In einer Auswahl seien nur folgende aufgeführt:
Aricia agestis (Dunkelbrauner Bläuling), Catocala fraxinii (Ordensband), Clossiana dia (Hainveilchen-Perlmutterfalter), Coenonympha glycerion (Rostbraunes Wiesenvögelchen), Colias australis (Gelbling), Cupido minimus (Zwergbläuling), Iphiclides podalirius (Segelfalter), Maculinea arion (Bläuling), Mellicta britomartis (Scheckenfalter), Papilio machaon (Schwalbenschwanz) und Thecla betulae (Nierenfleck). ...

Rostbraunes Wiesenvögelchen - Foto Wikimedia

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Weitere Bedeutung kommt diesen Hangflächen durch den hohen Anteil an süd- und osteuropäischen Schneckarten zu.

Die sonnenexponierte Lage ist ebenfalls für die zahlreichen wärmeliebenden Vertreter (fast 50%) verantwortlich.

Ebenso ist das Gebiet ornithologisch von größter Bedeutung.
Der DBV gibt hierzu 67 Brutvogelarten an, darunter 6 Arten, die in der "Roten Liste" der Vögel als gefährdet geführt werden, wie z.B.:
Hohltaube, Wendehals, Wasseramsel, Braunkehlchen, Neuntöter und Uhu (Uhu-Ruf anhören).
Für den Uhu ist dies sogar der einzige bekannte Standort mit Bruterfolg im Landkreis Tübingen. Als Durchzügler und Wintergäste wurden 42 Arten beobachtet; hiervon sind 22 aus der "Roten Liste".
Stellvertretend seien erwähnt:
Graureiher, Roter und Schwarzer Milan, Baum- und Wanderfalke, Schleiereule und Eisvogel.

Uhu - Foto Wikimedia

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Diese einmalige Artenfülle und die große vorhandene biologische Diversität innerhalb einer harmonischen Landschaft beweist die Schutzwürdigkeit des Biotops.
Da das Gebiet durch Steinbruchbetriebe, Besucher und z.T. infolge Bewirtschaftung stark gefährdet ist, erscheint uns eine Unterschutzstellung als Naturschutzgebiet gerechtfertigt und dringend notwendig. Abschließend sei bemerkt, daß die Bemühungen, das Gebiet unter Schutz zu stellen, schon bis in das Jahr 1938 zurückgehen.

Der damalige Bezirksbeauftragte für Naturschutz, Herr Neusch, stellte am 18.6.1939 den Antrag auf Unterschutzstellung.
Durch die Kriegsereignisse geriet diese Angelegenheit in Vergessenheit.
Am 1.10.1946 wurde sie vorläufig zu den Akten gelegt.
Tübingen, den 4.3.1980
Schedler«

»Verordnung des Regierungspräsidiums Tübingen als höhere Naturschutzbehörde über das Naturschutzgebiet »Kapfhalde« vom 9. Mai 1983 (GBl. v. 16.06.1983, S. 205).
Auf Grund von § 21 und § 58 Abs. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz -NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBl. S. 654) wird verordnet: ...
13. ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;
14. Felsen zu verändern oder zu zerstören...«

Veröffentlichungen für Naturschutz und Landschaftspflege Band 59/60 1985:
MARTINA BIERKAMP, JÖRG-UWE MEINEKE, JÜRGEN SCHEDLER & DIETER WEIZSÄCKER - Das Naturschutzgebiet »Kapfhalde«, Landkreis Tübingen.
» Im unteren Starzeltal (Landkreis Tübingen und Zollernalbkreis) ist ein Abschnitt des rechten Steilhanges, die »Kapfhalde«, mit ökologisch hochwertigen Trockenrasen, Saum und Felsgesellschaften, Gebüschformationen, wald- und gewässerbegleitenden Gesellschaften 1983 als Naturschutzgebiet »Kapfhalde« ausgewiesen worden.
Das Naturschutzgebiet umfasst augenblicklich knapp 12 ha. Herausragendes Merkmal ist seine Vielfalt. Insgesamt kommen mindestens 14 Pflanzengesellschaften mit rund 350 Arten vor.
Auch die Gruppe der Großschmetterlinge ist mit rund 510 Spezies außerordentlich artenreich. Die Abschätzung des Werts der Vorkommen für den Artenschutz im oberen Neckarland und ihre Zuordnung zu den vorhandenen Biotoptypen ergibt, dass die meisten der wichtigen Arten an die verschiedenen xerothermen Sonderbiotope des Untersuchungsgebietes gebunden sind.
- In der großen Zahl südlicher bzw. südlichkontinentaler und xerothermophiler Faunenelemente sind auch durch ihre Attraktivität spektakuläre Arten wie Segelfalter, Spanische Fahne und Augsburger Bär enthalten.
Das »Standortsmosaik« ist u. a.. dafür verantwortlich, dass die »Kapfhalde» auch ornithologisch so bedeutend ist. So konnten in den letzten Jahren im Gebiet rund 110 Vogelarten beobachtet werden.
Aus den Ansprüchen der wichtigen Arten werden Vorschläge für Schutz- und Pflegemaßnahmen abgeleitet. Insgesamt kann das Naturschutzgebiet als für den Schutz dieser Artengruppe hervorragende Fläche in der Region bezeichnet werden.«

 

Kapfhalde 2011, Foto Josef Hennig Foto:
Josef Hennig

 

Kapfhalde 2011, Foto Josef Hennig Foto:
Josef Hennig

Sagina apetala L.
»Auf Feldern bei Schussenried fand Herr Apotheker Valet die Sagina apetala L. in großer Menge, eine Pflanze, die wegen ihrer Kleinheit und unscheinbaren Gestalt leicht übersehen und darum wahrscheinlich seltener gefunden wird, als es sonst der Fall wäre. Sie wird wenigstens in den Werken über die deutsche Flora nicht als besonders selten bezeichnet, während die württembergische Flora von Schubler und von Martens nur 2 Standorte davon anführt, Frommenhausen und Altenstaig. ...«
(aus: JAHRESHEFTE des Vereins für vaterländische Naturkunde in WÜRTTEMBERG, 1860)

 

Bibliografie, Atlastext, Verordnung, Würdigung:
RIPS - Räumliches Informations- und Planungssystem im Umweltinformationssystem Baden-Württemberg

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