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Südwesten

Nicht verpassen!


Hans Baldung Grien, Hexenszene, 1510
Foto & © Kunstsammlungen der Fürsten von Waldburg-Wolfegg und Waldsee


Offenes Breverl (geweiter Schutzbrief), 1984
Foto: Anja Köhler, © Museum Humpis-Quartier


Albrecht Dürer, Die Hexe, ca 1500
© Museum Humpis-Quartier


Fraiskette mit 9 Amuletten, 18. Jh.
Foto: Anja Köhler, © Museum Humpis-Quartier


Gottesnamenkreuz, 17. Jh.
Foto: Anja Köhler, © Museum Humpis-Quartier


"Hexenhemd", 17. Jh.
Foto: Anja Köhler, © Museum Humpis-Quartier


Hexenzettel, 18. Jh.
Foto: Anja Köhler, © Museum Humpis-Quartier


Mardergebiß, 19. Jh.
Foto: Anja Köhler, © Museum Humpis

Besuchen Sie die Ausstellung

HEXENWAHN 1484:
FRAUEN AUF DEM SCHEITERHAUFEN

5. MAI BIS 3. OKTOBER 2017

Museum Humpis Quartier, Ravensburg

 

Ende des 15. Jahrhunderts war der Bodenseeraum eines der Zentren von Hexenwahn und Hexenverfolgung in Europa. Mindestens 48 Frauen wurden als Hexen bei lebendigem Leib verbrannt. Dies war die erste große systematische Verfolgung von Frauen als Hexen im christlichen Abendland.

Der Stadt Ravensburg kommt hierbei eine entscheidende Rolle zu: Der päpstliche Inquisitor Heinrich Institoris führte persönlich die Hexenprozesse in der Reichsstadt durch.

Ausstellungsplakat Hexenwahn 1484: Frauen auf dem Scheiterhaufen

 

1484 trat Institoris vor die Bürger von Ravensburg und forderte sie auf, ihm Frauen zu nennen, die sich der Hexerei verdächtig gemacht haben. Sechs Frauen wurden festgenommen und unter Folter befragt. Ihnen wurde vorgeworfen Hagelunwetter und Überschwemmungen zusammen mit Teufeln und Dämonen herbeigezaubert zu haben. Nach tagelangen Qualen gestanden Agnes Bader und Anna Mindelheimer mit dem Teufel im Bunde zu sein. Das Stadtgericht Ravensburg verurteilte sie zum Tod auf dem Scheiterhaufen.

Nach demselben Verfahren wurden auch die anderen 46 Frauen im Bodenseeraum inhaftiert, gefoltert und verbrannt.

Die Erfahrungen aus seiner Ravensburger Verfolgungspraxis hat Institoris in den berühmt-berüchtigten Hexenhammer (lat. Malleus Maleficarum) aufgenommen, dem von ihm verfassten Handbuch für "Hexenjäger". Das 1486 erschienene Werk hatte verheerende Wirkung für die weitere Verfolgung in Europa, die bis ins 18. Jahrhundert 40.000 bis 60.000 Todesopfer forderte.

Der Hexenhammer gehört zu den frauenfeindlichsten und verhängnisvollsten Büchern der Weltliteratur.

Die Ausstellung setzt sich mit der spätmittelalterlichen Vorstellung von Magie und dem Hexenbegriff der Zeit auseinander. Sie konfrontiert die Besucher anhand der Ravensburger Verfolgung mit einem Inquisitionsprozess und beleuchtet die Täter, ihre Psyche und Motive. Doch gibt sie auch den Opfern ein Gesicht und zeigt die Folgen für die Menschen auf, damals wie heute. Denn die Thematik ist nach wie vor aktuell: Noch immer werden in Afrika und Südamerika Frauen und Kinder als Hexen verfolgt und hingerichtet.

Gemeinsam mit der Sonderausstellung wird die vierte und letzte Kabinettausstellung "Hexenwahn 1484: Frühe Hexenverfolgung in Ravensburg" eröffnet. Durch die beiden Opfer Anna Mindelheimer und Els Frauendienst erfahren die Besucher vom Ravensburger Hexenprozess.

Die Kabinettausstellung wird ermöglicht durch den Lotto Museumspreis Baden-Württemberg und Fördermittel der BW-Bank, dem Landgericht und Amtsgericht Ravensburg, der Familie Dr. Gröber und vielen privaten Förderern.

 

 

 

 

FÜHRUNGSANGEBOT

Öffentliche Führung:
1. Donnerstag im Monat | 18 Uhr
1. + 3. Sonntag im Monat | 11 Uhr
Erwachsene 4,00 Euro (zzgl. Eintritt)
Ermäßigt 2,50 Euro (zzgl. Eintritt)
Kinder unter 6 Jahren frei

Mit der Verurteilung und Verbrennung von zwei Ravensburger Frauen begann 1484 die erste systematische Verfolgung von Frauen als Hexen im christlichen Abendland. Bei einer Führung durch die Sonderausstellung "Hexenwahn" werden die Besucher anhand ungewöhnlicher Objekte mit einem Zeitalter konfrontiert, in dem Magie und Zauberei zum Alltag gehörten.
Die Besucher erfahren von den Opfern und Tätern des Ravensburger Hexenprozesses und von der verheerenden Wirkung des Hexenhammers, dem Werk des Inquisitors Heinrich Institoris.

 

Kuratorenführung mit anschließendem Gespräch:
mit Prof. Dr. Andreas Schmauder
18. Mai, 22. Juni, 6. Juli, 17. Aug, 28 Sept | 19 Uhr
Erwachsene 4,00 Euro (zzgl. Eintritt)
Ermäßigt 2,50 Euro (zzgl. Eintritt)
Kinder unter 6 Jahren frei

Im Anschluss an die Führung besteht Gelegenheit mit Kurator Andreas Schmauder über die frühe Hexenverfolgung am Bodensee und über die aktuellen Verfolgungen in Afrika ins Gespräch zu kommen.

Gruppenführungen nach Voranmeldung.

 

 

Link zur Ausstellung:
Hexenwahn 1484: Frauen auf dem Scheiterhaufen
5. Mai bis 3. Oktober 2017

 

 

BUCH ZUR AUSSTELLUNG

Frühe Hexenverfolgung in Ravensburg und am Bodensee
Herausgeber Prof. Dr. Andreas Schmauder

Am Ende des 15. Jahrhunderts war der Bodenseeraum eines der Zentren bei der Entstehung von Hexenwahn und Hexenverfolgung in Europa. Allein im Bistum Konstanz wurden in den 1480er Jahren etwa 48 Frauen als Hexen verbrannt.

Ravensburg kam insofern eine entscheidende Bedeutung zu, als dort der päpstliche Inquisitor Heinrich Kramer (lat. Institoris) 1484 in der Reichsstadt persönlich Hexenprozesse durchgeführt hat. Seine Ravensburger Erfahrungen hat er mit anderen in den berühmt-berüchtigten »Hexenhammer« aufgenommen, dem von ihm verfassten Handbuch für Hexenjäger, das zu den »verhängnisvollsten Büchern der Weltliteratur« gehört.

Ein Blick auf den Inquisitor Kramer, seinen »Hexenhammer« und die Verfolgung in Ravensburg und am Bodensee sowie die davon beeinflussten späteren Hexenprozesse in der Landvogtei Schwaben vermittelt ein außergewöhnliches Bild vom Leben am See im ausgehenden Mittelalter.

UVK Verlagsgesellschaft Konstanz 22017
ISBN: 978-3-86764-463-1

14,90 Euro

 

 

ERGÄNZENDE LITERATUR

Frauenrequiem. Totenmesse für alle Frauen, die als HEXEN ermordet wurden, Verfasserin: Jutta Voss

Frauenrequiem
Totenmesse für alle Frauen, die als "Hexen" ermordet wurden.
Jutta Voss

Das FRAUENREQUIEM in der im Buch vorliegenden Fassung entspricht im wesentlichen der Erstaufführung während des Kirchentages 1987 in Frankfurt. Die Autorin hat Bezüge, die Ort und Zeit durchscheinen lassen, bewußt beibehalten. Weggelassen wurden aus Kostengründen die farbigen Bilder von Hieronymus Bosch, der als politischer Maler nicht die Apokalypse eines Weltunterganges malte, sondern die konkreten Foltermethoden seiner Zeit als "Untergang der Menschlichkeit" ...

"Die Klage ist eine Form des intelligenten Widerstandes.
Die Klage ist eine Form der Bewußtseinsbildung
in emotionaler Wahrhaftigkeit.
Die Klage ist eine Form des politischen Aufrufes
zum verantwortlichen Handeln.
Die Klage ist eine Form der notwendigen Empörung
über Zustände, wie sie real sind,
und die Vision, wie sie sein sollen."


Jutta Voss